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Die besten Krimis des Monats

Die September-Krimibestenliste der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und von "Deutschlandradio Kultur"

An der Spitze der Krimibestenliste September 2017 von FAS und Deutschlandradio Kultur finden Sie neu auf Platz 1: Beton Rouge von Simone Buchholz (im August Platz 5)

Mit der tollkühnen Anspielung auf die nördlich von New Orleans gelegene Hauptstadt Louisianas Baton Rouge im Titel verabschiedet sich Simone Buchholz (* 1972, jüngst mit dem Radio-Bremen-Krimipreis ausgezeichnet) in ihrem siebten Kriminalroman um Staatsanwältin Chastity Riley ein wenig aus dem heimischen Kiez Sankt Pauli.Zwar liegt ein Mädchen überfahren auf einer namenlosen Straße im Einzugsbereich der Davidswache, doch schon das Verlagshaus „Mohn & Wolf“, hinter dem man wohl Gruner & Jahr vermuten kann, liegt nicht mehr in Hamburgs bekanntestem Stadtteil. Vor diesem Verlag liegt geschunden und beengt in einem kleinen Raubtierkäfig ein nackter Mohn&Wolf-Manager. Es ist der Personalchef, der - realitätsnah - verantwortlich für üble Stellenstreichungen zeichnet. Doch die Ermittlungen der eingerichteten SoKo führen raus aus Hamburg, in die Vergangenheit dreier Männer, die die Schule, ihre Opfer, den Vorstandssessel im Verlag und eben auch den Käfig teilen.Der gewohnt brillanten Schreibe (Tolle Sprüche! Poetische Sprache) von Simone Buchholz ist diesmal deutliche Melancholie untermischt, trotz einer gewissen persönlichen Aufbruchsstimmung der Heldin am Ende.

„Mit Simone Buchholz haben wir eine frische, eigenwillige sprachbegabte Serienautorin auf der deutschen Krimiszene.“ (Jochen Vogt, WAZ, NRZ)

„Hier gibt es keine großen Effekte oder Schlachten gegen das Böse, sondern Unglücke des Alltags, die Chastity Riley zunehmend erschüttern. Diese Melancholie und nebelverhangene Stimmung ergeben mit dem eigenwilligen und besonderen Erzählstil von Simone Buchholz eine bestechende Mischung. Sie hat eine klar zu erkennende Erzählstimme, sie traut sich einen eigenen Stil zu und schafft dabei hinreißend eigenwillige Sprachbilder.“ (Sonja Hartl, Deutschlandfunk Kultur)

„Man möchte nicht Realität sein in den Romanen von Simone Buchholz. Sie wird ganz trocken auf den Kopf genagelt, die wirkliche Wirklichkeit.Chastity Rileys Blick ist so scharf und so böse wie liebevoll und bilderverliebt. Immer genau dann, wenn einem dieser Blick auf die Nerven zu gehen droht, nüchtert Buchholz ihre Staatsanwältin aus.“ (Elmar Krekeler, DIE WELT)

Am 13. September wird Simone Buchholz mit dem Radio-Bremen-Krimipreis ausgezeichnet.

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Neu auf der Krimibestenliste September sind insgesamt vier Titel. Diesmal sind es je 2 amerikanische und 2 deutsche. Zwei Autorinnen, zwei Autoren. Mit zusammen 1354 Seiten.
Neu sind:

Auf Platz 2: Eileen von Ottessa Moshfegh

In den amerikanischen Lit-Charts, die manchmal kaum von Börsennachrichten zu unterscheiden sind, wird die 1981 in Boston als Tochter eines iranischen Violinisten und einer kroatischen Bratschistin geborene Ottessa Moshfegh bereits als Nachfolgekommerzwunder der „Girl“-Krimis gehandelt. In Eileen beweist sie über weite Strecken, dass sie etwas anderes und mehr kann als das neuerdings so beliebte Stereotyp von der unzuverlässigen Erzählerin zu bedienen. Sie schafft einen Paranoia-Raum aus weiblicher Perspektive, eine Gruft- und Punkversion spätpubertärer Frauengewalt, entfesselt und brutal.Mit Eileen - vierundzwanzig, graue Maus, Alkoholikertochter - hat sie keine Identifikationsfigur für alleinstehende Mittelstandsfrauen geschaffen, sondern eine sehr unangenehme Kunstfigur. Sie lebt mit ihrem versoffenen Ex-Cop von Vater in einer rattenverseuchten Müllbude, langweilt sich als Bürofrau in einem Jugendknast und stalkt einen Wächter mit prächtigen Genitalien und enger Hose. Bis Harvard-Absolventin Rebecca in ihr Leben tritt, eine Art höherer Erzieherin, die die tradierte Prügelpädagogik verbessern soll. All das wird - mit etwas zu vielen und deshalb nervigen Ritardandi - von der Eileen fünfzig Jahre danach erzählt. Genremäßig toppt Eileen alle anderen US-amerikanischen bitterschwarzen Jingle-Bell-Erzählungen um ein vielfaches. Am ersten Weihnachtstag lässt sie X-Ville in Neuengland und einen (mitgeschaffenen) Albtraum hinter sich.

„Moshfeghs Entwicklungsroman ist sprachlich eine Klasse für sich, ganz abgesehen von der raffinierten Wendung, die Eileens Leben erfährt. Ist Eileen nun eine kaltherzige Egoistin oder eine, die sich aus der Macht der Männer und des Gefallenwollens befreit, eine Heldin, die sich emanzipiert? Ambivalenz zum Nachdenken.“ (Ingeborg Sperl, Der Standard)

„Am Ende kommt einem die seltsame Eileen Dunlop ein bisschen zu krass, ein wenig unglaubwürdig vor. Ganz abgesehen davon, dass sie es seit ihrem Verschwinden im Jahr 1964 offenbar geschafft hat, ein normales, unauffälliges Leben zu führen. Etwas fesselt, etwas stört aber auch an dieser Figur.“ (Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau)

Eileen stand 2016 auf der Shortlist des Man Booker Prize.

Auf Platz 5: Dunkels Gesetz von Sven Heuchert

Im bundesdeutschen Literaturbetrieb sind Autoren wie Sven Heuchert selten. Der 1977 im Rheinland geborene und dort lebende Hörgerätetechniker ist sehr zufrieden, dass er „das Schreiben nicht aus wirtschaftlichen Zwängen heraus betreiben“ muss. Der Fan von García Lorca und Pete Dexter ist Autodidakt, keine akademische Ausbildung hat sein Stilempfinden verwässert. Ein genaues Ohr für die Nuancen rheinisch-ruhrgebietlicher Soziolekte beweist der Kurzgeschichten-Mann in jeder knappen Zeile seines Debüt-Romans Dunkels Gesetz. Männliche Gewalt, von diese Gewaltverhältnissen abhängige Frauen, eine Industriebrache, rottige Wälder - das ist das unheimelige Setting, in dem Ex-Söldner Dunkel mit sich und seinen Schuldgefühlen klarkommen muss. Ein großartiger Start einer ganz neuen, und sehr bewussten Stimme.

„Es geht um Drogen und letzte Träume, um kleine Leute, die einmal groß sein möchten (...) Mit Dunkel ist nicht gut Kirschen essen, vor allem dann, wenn Gesetze gebrochen werden. Ein schnörkelloses Debüt, das neugierig macht auf das, was von Sven Heuchert in Zukunft noch kommen mag.“ (Volker Albers, Hamburger Abendblatt)

„All das fügt sich zu einer sehr harten, sehr unlieblichen und sehr genauen Story zusammen über Überleben und Anstand unter denen, über die keiner spricht. Raymond Chandler forderte einst, der Kriminalroman solle auf der Straße und unter den einfachen Leute spielen. Hier ist einer.“ (Tobias Gohlis, DIE ZEIT)

Auf Platz 7: Ein Job für Delpha von Lisa Sandlin

Bei der Lektüre dieses herzhaften Debüt-Romans käme man kaum auf die Idee, dass er von einer Mittsechzigerin und Professorin für Creative Writing verfasst wurde. Ein Job für Delpha liest sich so lebendig, dass man die Verfasserin eher in den frühen Dreißigern, im Alter der Protagonistin Delpha Wade vermuten würde. Doch Lisa Sandlin stammt zwar aus Beaumont in Texas, wo der Roman spielt, unterrichtet aber an der Universität von Nebraska. Anerkennung hat sie als Verfasserin von Kurzgeschichten gewonnen, eine von ihnen handelt vom zweiten Protagonisten, dem ehemaligen Ölarbeiter Tom Phelan, der sich aufs Detektivgewerbe geworfen hat. Delpha, nach vierzehn Jahren Knast auf Bewährung frei, ist seine Sekretärin und eigentlich der Mastermind des Unternehmens. Sie kennt das Leben, nimmt es, wie es ist, und erweist sich als lebenskluge, vorsichtige und kampfentschlossene Ermittlerin. Sandlin krempelt die Rollenstereotype um, beobachtet ihre vielen Personen genau.

„Nach ein paar Seiten weiß man schon, was für ein großartiges Buch das ist." (Peter Körte, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

„Das Ganze findet mit einem hohen Maß an Selbstverständlichkeit, schönsten Bildern („Das Haus war verdichtete Nacht“), großer Wärme, großer Menschlichkeit statt. Tom und Delpha gehen sehr fürsorglich miteinander um.“ (Elmar Krekeler, DIE WELT)

„Ein Job für Delpha“ ist ein großartiges Stück Kriminalliteratur, welthaltig, witzig, stark im Milieu. Von Delpha Wade und den weiteren Fällen von Phelan Investigations möchte man mehr lesen.“ (Tobias Gohlis, Deutschlandfunk Kultur)

Auf Platz 10: Giftflut von Christian v. Ditfurth

Im dritten Band seiner Saga um den arroganten Besserwisser und Querdenker Eugen de Bodt stürzt Christian v. Ditfurth den Westen in die Katastrophe. Genial organisierte Attentäter kombinieren Anschläge gegen einzelne Personen, die mit der kommunalen Wasserversorgung zu tun haben, mit Sprengungen von Brücken, Tunnels. Zentrale Verkehrswege werden lahm gelegt, tausende Menschen umgebracht, die Wirtschaft kollabiert. Kommissar Eugen de Bodt und seine frechen Leute sind die einzigen, die überhaupt irgendwas raffen und schlagen sich wie immer bravourös mit Bürowallachen und Supergangstern. Und wie immer verbirgt sich hinter dem ganzen ein sorgfältig geplanter Coup von prognostischer Qualität, der eine der Schwachstellen im System offenlegt. Ditfurth erfüllt in der deutschen Kriminalliteratur die Rolle einer ebenso frechen wie witzigen Kassandra.

Unsere Dauerchampions: Zum dritten Mal steht Zoë Beck mit Die Lieferantin auf der Krimibestenliste, zum vierten Mal ist Monika Geier mit Alles so hell da vorn dabei.

Ich wünsche Ihnen wie immer viel Anregung und Vergnügen bei der Lektüre und würde mich freuen, wenn Sie unsere Bestenliste weiterempfehlen könnten.

Die Krimibestenliste September wird am Sonntag, den 3.9.2017 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gedruckt veröffentlicht, und ist online wiederzufinden unter www.faz.net/krimibestenliste
und www.deutschlandfunkkultur.de/krimibestenliste (ab Montag).
Unter diesen Webadressen finden Sie immer die aktuelle Krimibestenliste.
Wer nicht warten will, findet sie beim Deutschlandfunk Kultur auch auf www.deutschlandfunkkultur.de/krimi.2885.de.html